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Vom Irrweg der Abkürzungen in der Nondualität – und der Rückkehr zur Quelle der Seele

  • Autorenbild: Branka Ito
    Branka Ito
  • 1. Dez. 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschheit systematisch abgelenkt, zerstreut oder verführt wird – sei es durch Technologie, Künstliche Intelligenz, Ideologien, Konsum oder durch pseudo-spirituelle Lehren, die das Ego auf subtile Weise stärken. Wegen dieser wachsenden Unruhe scheint die Nondualität für viele wie ein Ausweg.


Ein einfacher Satz – „Du bist das Eine“ – klingt einfach. Er klingt nach Freiheit, Klarheit und Überlegenheit gegenüber dem „alten spirituellen Konzept“ von Entwicklung. Er ist wahr – aber nur aus Sicht des Einen.


In der reinen Advaita Vedanta, der klassischen nondualen Lehre, gilt: Nur das Eine ist wirklich. Alles andere – jede Form, jede Individualität, jede Trennung – ist Illusion. Das bedeutet: Du bist nicht Körper, nicht Geist, nicht Seele. Du bist reines, form- und eigenschaftsloses Bewusstsein – Brahman. Alles, was eine Form, Entwicklung, Geschichte oder Identität hat, ist relativ, vergänglich und daher nicht absolut wirklich.


Der Mensch hört das im Satsang, in online Meetings mit seinem Verstand – und glaubt, er sei am Ziel. Denn das Konzept ist sehr einfach, zu verstehen. Doch dieser scheinbar einfache Weg birgt eine der grössten Gefahren: Denn was oft als „reines Bewusstsein“ bezeichnet wird, ist in Wahrheit nicht selten geistige Dissoziation – eine Flucht aus der Tiefe in die Höhe. Der Verstand übernimmt die Sprache des Absoluten, doch das Herz bleibt verschlossen. Die Neo-Advaita-Szene hat Protagonisten hervorgebracht, die sehr entmenschlicht und mitgefühlslos wirken, finde ich. Darum habe ich mich vor ein paar Jahren völlig von dieser Szene abgewendet.


Ich habe dort erkannt, dass die Seele als das Vermittlungsfeld zwischen göttlichem Geist und materieller Welt, Trägerin von Erfahrung, Erinnerung, Entwicklung und Inkarnationswissen von diesen Advaitavertretern einfach übergangen wird – oder gar geleugnet. Was sie lehren, ist ein leeres, kaltes Echo des Ewigen.


Aber die Seele ist kein Irrtum. Sie ist das Gefäss, das uns durch Raum und Zeit trägt, auch wen diese letztendlich illusorisch sind. Die Seele träumt, leidet, liebt, erinnert sich Sie macht uns so menschlich. Und sie ist der einzige Teil in uns; der den Geistfunken - das ICH BIN bewusst berühren kann. Der wahre Durchbruch zum ICH BIN – dem göttlichen Ursprung im Menschen geschieht nicht durch intellektuelle Erkenntnis. Er geschieht durch innere Reifung, Läuterung und Hingabe.


Der Durchbruch zur wahren Gegenwart – zum SEIN –

geschieht durch Tod:

- den Tod der Ich-Erzählung,

- den Tod aller spirituellen Bilder,

 - den Tod der Vorstellung von „ich bin erwacht“.


Dafür braucht es: Reife der Seele, tiefe, oft schmerzhafte Läuterung; eine Zeit des Alleinseins mit Gott; echte Demut – nicht als Tugend, sondern als Erkennen der eigenen Begrenztheit. Gerade in unserer heutigen Welt, in der so viele Kräfte darauf wirken, die Seele zu fragmentieren, zu zerstreuen oder in künstliche Identitäten zu verstricken, ist es notwendiger denn je, den Menschen nicht einfach zu sagen: „Du bist bereits das Eine“, sondern sie an ihre Rückverbindung zur Quelle zu erinnern. So sehe ich das und dafür stehe ich!


Diese Rückverbindung ist kein Konzept. Sie ist ein Weg. Ein innerer, stiller, kompromissloser Weg. Er führt durch die dunklen Nächte der Seele, die Rücknahme falscher Identitäten, die Umkehr von aussen nach innen, und die bewusste Entscheidung, sich wieder dem Licht zu übergeben - dem Christus in mir - anstatt spirituellen Konzepten, Gurus und Lehrer im Aussen zu folgen. Hier beginnt wahrhaftige Selbstautorität.


Der Durchbruch zum ICH BIN geschieht nicht am Anfang – sondern am Ende des seelischen Reifeweges. Nicht durch das Denken, sondern durch das Sterben des Ichs in der Umarmung Gottes. Deshalb ist es keine Rückschrittlichkeit, die Seele zu betonen – sondern geistige Verantwortung. Die Nondualität ist kein Irrtum – aber sie ist kein Anfang. Sie ist das, was bleibt, wenn die Seele sich vollständig in der Quelle verströmt hat.


Dorthin zu führen, das ist die wahre Aufgabe spiritueller Begleitung in dieser Zeit.

 
 
 

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