Teil 1 Warum wir entkörpert werden sollen
- Branka Ito
- 1. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Die Kultur entkörpert den Menschen – ästhetisch, medizinisch und emotional – damit ein Mensch entsteht, der seine eigenen Instinkte, seine innere Macht und seinen Willen nicht mehr spürt. Das ist die Voraussetzung dafür, dass der Transhumanismus als „Fortschritt“ statt als Selbstaufgabe wahrgenommen wird.
Dabei sind die HollywoodStars nicht nur die Vorläufer von entseelten sondern auch entkörperten Menschen. Wie ich das meine: Lies weiter!
In den letzten Jahren hat sich eine verstörende Ästhetik in Hollywood und der breiten Popkultur etabliert: ein Look, der an ausgemergelte, entleiblichte Körper erinnert. Blasse Haut, kantige Gesichter, eingefallene Konturen – als würde ein Hauch von Leben fehlen. Was früher als Zeichen von Krankheit galt, erscheint heute als „Edgy“, als künstlerischer Ausdruck oder gar als Modeideal. Beispiele wie der Film Wicked: For Good mit Arinae Grande (im Bild ) zeigen diesen Trend besonders deutlich. Es ist, als würde die Kultur uns langsam an ein Erscheinungsbild gewöhnen, das den Menschen entkörperlicht, von seiner Vitalität trennt und eine so subtile wie mächtige Symbolik transportiert.
Parallel dazu greifen immer mehr Menschen zu den viel beworbenen Abnehmspritzen. Medikamente, deren Schnelligkeit des Erfolgs ein Mass an gesellschaftlicher Sehnsucht offenbart: ein unbeschwerter, gehorsamer Körper, der nicht stört. Doch diese Wirkstoffe greifen tief in die Kommunikation zwischen Bauchhirn, Nerven, Stoffwechsel und Emotionen ein. Weltweit sind mittlerweile Klagen in Milliardenhöhe eingereicht worden.
Kein Wunder, denn das Bauchhirn – das Nervenzentrum im Solarplexus – ist weit mehr als ein biologischer Mechanismus. Es ist der Sitz des Instinkts, der Ort, an dem unser Körper uns warnt, wenn etwas nicht gut für uns ist. Es ist eng verbunden mit dem Herzen, unserem Mut und unserer Fähigkeit, uns selbst treu zu bleiben. Genau dort entsteht unser „inneres Nein“ – und gleichzeitig unser kraftvolles „Ja“ zum eigenen Weg.
Betrachtet man die letzten Jahre, entsteht ein beunruhigendes Muster. Während 2012 und 2020 kollektive Ereignisse das Immunsystem vieler Menschen geschwächt haben, richtet sich der nächste Strom gesellschaftlicher Trends nun gegen das Verdauungssystem – gegen jenes Zentrum, das unser inneres Feuer trägt. Der Mensch soll sich nicht mehr auf seine körperliche Intelligenz verlassen können, auf sein Bauchgefühl, auf seinen natürlichen Instinkt, der ihn vor Ungesundem schützt. Und die Abnehmspritze ist dabei nur ein Werkzeug von vielen. Der eigentliche Prozess ist subtiler, kultureller, atmosphärischer: eine langsame Normalisierung der Entkörperlichung.
Warum geschieht das? In einem grösseren archetypischen Kontext wird deutlich: Der Solarplexus – das Zentrum von Willenskraft, Selbstvertrauen, innerer Stärke und Klarheit – steht im Fadenkreuz einer Kultur, die den Menschen zunehmend als mangelhaft betrachtet. Wer seinen Körper nicht mehr spürt, spürt auch seinen Willen nicht mehr. Wer seine Instinkte verliert, verliert sein Frühwarnsystem. Und wer sich selbst nicht mehr traut, sucht Orientierung im Äusseren. Der entleiblichte Mensch ist empfänglich für Narrative, die ihm versprechen, seine biologische Begrenztheit durch Technologie zu überwinden. Dies ist der Kern des transhumanistischen Mythos: der Traum vom körperlosen Menschen.
Doch dieser Traum kommt nicht als Gewalt, sondern als Ästhetik. Als Lifestyle. Als Medizintrend. Als subtile Erosion des inneren Feuers. Ein Mensch, der körperlich geschwächt, energetisch ausgedünnt und emotional betäubt ist, wird bereitwilliger, seinen Körper als formbar, ersetzbar oder optimierbar anzusehen. Robotisierbar. Nanotechnisch modifizierbar. Der Körper wird zum Projekt, nicht mehr zum Zuhause.
In Wahrheit erleben wir keinen Angriff auf den Körper – sondern eine kulturelle Bewegung weg vom Körper, weg von der Erdung und hin zur technischen Abstraktion. Der Mensch soll sich selbst als ungenügend empfinden, damit er nach etwas greift, das ihn scheinbar vervollständigt. Doch wer seinen Solarplexus verliert, verliert seinen inneren Kompass. Und wer keinen inneren Kompass mehr hat, lässt sich in fast jede Richtung schieben.
Das eigentliche Thema ist also nicht Hollywood, nicht die Abnehmspritzen, nicht die Technologie. Das Thema ist der Mensch, der sein körperliches Bewusstsein verliert – und damit die Fähigkeit, sich selbst, seine Wahrheit und seine Grenzen zu spüren. Die Entkoppelung vom Körper ist der erste Schritt in die Entkoppelung vom eigenen Wesen. Und genau das ist der Punkt, an dem der Mensch manipulierbar wird.
Wir stehen an einer Schwelle. Es geht darum, ob wir den Körper als Störung oder als heiliges Gefäss begreifen. Ob wir das Bauchhirn als primitive Instanz abtun oder als das, was es tatsächlich ist: unser inneres Leitsystem, unser Kompass in einer Welt, in der immer mehr Kräfte versuchen, uns dorthin zu führen, wo wir unsere eigene Natur nicht mehr erkennen.









Kommentare