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Sexualität – Vom Verlust der Mitte zur Rückbindung ins Ich-BIN

  • 9. Feb.
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 12. Feb.









Sexualität und der innere Fall




Eine Frequenz der Wahrheit legt sich über diese Zeit wie ein unhörbarer Akkord. Viele spüren sie zunächst als Druck – nicht schwer, eher aufrichtend, als läge eine unsichtbare Hand zwischen den Schulterblättern. Etwas richtet uns auf. Etwas flüstert, leise, doch unmissverständlich: Steh auf. Sei wahrhaftig. Verbirg dich nicht länger.

Wer in der Unwahrheit lebt, empfindet dieses Feld als Unruhe. Wer innerlich aufgerichtet ist, erlebt es als Kraft.


Wir treten ein in ein großes Fenster der Gnade. Doch Gnade zeigt sich nicht zuerst im Licht – sie berührt zunächst den Schatten. Dort, wo etwas lange verdrängt lag. Wer dem Licht begegnen will, muss den Schatten kennen. Nicht theoretisch – verkörpert, durchlebt. Das ist grundlegend. Und das ist meine Geschichte.


Ich wurde nicht in eine Ursprungsfamilie hineingeboren, sondern in ein lähmendes Chaos. In ein Feld aus missbrauchter Sexualität, fehlender Liebe und jener menschlichen Verelendung, die entsteht, wenn Ausgrenzung an die Stelle von Beziehung tritt. Bevor ich leben konnte, musste ich lernen zu überleben. Alles begann mit einem großen Schmerz.


Aus einem Boden der Kälte wächst oft die tiefste Sehnsucht nach Wärme. Und diese Sehnsucht wird zur Kraft, die einen langsam zu sich selbst zurückführt. Sehr früh war mir klar – nicht als Gedanke, sondern als leibhaftiges Wissen –, dass es im Außen keine wahre Sicherheit gibt. Also begann etwas anderes in mir zu wachsen. Ich lernte zu fühlen, zu beobachten und Zusammenhänge zu erkennen. Worte zu finden für das, was sonst im Dunkeln bleibt. Ich richtete mich nach innen aus.


So entstand eine tiefe, oft schmerzhafte Bewusstheit für das, was zwischen Menschen unausgesprochen bleibt. Für Spannungen, die nicht gefühlt werden. Für Wahrheiten, die keinen Raum bekommen. Ich suchte nach Echtheit. Nach etwas, das nicht lügt.

Später fand diese innere Bewegung ihren Ausdruck im Schreiben. Der Journalismus wurde mir kein Ort der Oberfläche, sondern ein Raum tiefer Beobachtung. Ich konnte Machtmissbrauch und die Entfremdung von Sexualität anschauen, ohne sie erneut durchleben zu müssen. Traumastrukturen vererben sich von Generation zu Generation.


In den neunziger Jahren arbeitete ich an einem TV-Format über Sexualität. Über ein Jahr hinweg begegnete ich systematischer Ausbeutung und Entfremdung. Diese Erfahrungen führten mich endgültig auf den Weg der inneren Erkenntnis.


Jahrzehnte vergingen. Und immer deutlicher löste ich mich dadurch von der äußeren Matrix. Illusionen zerbrachen – und genau dadurch öffnete sich der Zugang zur inneren Wahrheit.


Ich war nie Opfer des Zufalls.

Mein Weg war kein kosmischer Fehler.

Es war nie Abarbeiten von Karma.

Er war Ausdruck einer präzisen Ordnung.


Erst viel später begegnete mir im Denken Christopher Langans und seinem kognitiv-theoretischen Modell des Universums eine Sprache für das, was ich längst lebte: dass Systeme unter schwierigen Bedingungen lernen können, sich selbst zu ordnen, sich zu spiegeln und neu auszurichten. Dass Erfahrung nicht wiederholt werden muss – sondern verwandelt werden kann. Dass Energie nicht zerstreut werden muss – sondern zurückgeführt werden kann.


Es ist die selbstreferenzierende Funktionsweise der Schöpfung selbst.


In diesem Licht begann ich auch, alte Bilder neu zu lesen. Das Buch Henoch – eine der ältesten bekannten apokalyptischen Schriften – nicht als äußeres Mythendrama, sondern als innere Landkarte. Der "Fall der Engel" beschreibt keinen kosmischen Krieg, sondern einen Zustand: Schöpferische Kräfte verlieren ihre Rückbindung. Aufmerksamkeit kippt nach außen. Energie fließt nach unten. Sprache trennt sich von Erfahrung. Das Ich verliert seinen inneren Ort.


Heute ist mir bewusst: Mythologische Schriften beschreiben innere Vorgänge des Menschen. So entsteht eine Welt voller Bewegung – und doch ohne Mitte.


Für mich bedeutet die Mitte heute: selbstreferenzierendes Bewusstsein. Der Mensch bleibt in seinem Körper und hält seinen inneren Zusammenhang. Die Rückkehr beginnt nicht mit großen Erkenntnissen, sondern mit kleinen inneren Bewegungen. Mit dem Moment, in dem ein Mensch innehält, statt reflexhaft zu reagieren. Im Sprechen, im Fühlen, im Handeln. Mit dem Augenblick, in dem Spannung im Körper bleiben darf.


Ein Atemzug.

Füße auf dem Boden.

Ein Blick in die Natur.

Ein inneres: Ich bin hier.

Sich von innen wahrnehmen – durchleben.

Das ist gelebte Erfahrung.


Und wer verstehen will, wohin diese Entkopplung von der Mitte im Extrem führt, darf den Blick nicht scheuen.



Pädophilie ist keine sexuelle Orientierung. Sie ist der Ausdruck eines vollständig kollabierten inneren Systems. Das Kind steht archetypisch für Ursprünglichkeit, Lebenskraft und Nähe zur Quelle. Ein Mensch, der diesen inneren Zugang verloren hat, greift im Außen nach genau dem, was ihm innen fehlt.

Nicht aus Lust.

Aus Leere.

Das ist pervertierte Rückkehrsehnsucht.


Darum taucht Pädophilie nicht zufällig in hochgradig fragmentierten Kulturen auf. Sie ist das äußerste Symptom eines Systems ohne Mitte. Nicht jeder traumatisierte Mensch wird Täter. Aber wo ganze Systeme ihre Mitte verlieren, entstehen Extreme.

Das ist der Punkt.

Nicht Dämonen führen zu solchen Taten.

Nicht äußere Mächte.

Nicht Satan.


Das alles sind Projektionen, archetypische Bilder, die ins Feld geführt werden, wenn der Mensch keine Verantwortung übernehmen will.


Unbewohnte Innerlichkeit tut es.

Pädophilie ist kein moralisches Rätsel.

Sie ist das sichtbar gewordene Ende eines langen inneren Zerfalls.



Sexualität als Schöpfungsscharnier


Heute ist mir klar, dass Sexualität kein privater Nebenraum des Menschseins ist. Sie ist eine Schwelle. Ein Übergang. Ein Scharnier zwischen Bewusstsein und Körper, zwischen Ursprung und Materie. Sexualität ist die erste Eintrittspforte des schöpferischen Bewusstseins ins Sein selbst.


Was wir gewöhnlich Sexualtrieb nennen, ist rohe Lebensenergie. Undifferenzierte Schöpfungskraft. Dieselbe Kraft, aus der Gedanken entstehen, aus der Kreativität erwächst, aus der Nähe möglich wird. Sie kann Leben hervorbringen – oder Erkenntnis.

Diese Energie kennt zwei Richtungen. Sie kann nach außen strömen – in Bilder, Fantasien, Reize. Oder sie kann nach innen zurückkehren – in Wahrnehmung, Präsenz, Klarheit.


Die moderne Welt kultiviert fast ausschließlich den ersten Weg.


Sexualität wurde entkoppelt von Beziehung, von Herz, von innerer Erfahrung. Spannung wird erzeugt, unmittelbar entladen und hinterlässt ein leises Vakuum. Das Nervensystem bleibt im Kreislauf aus Reiz und Erschöpfung. Wahrnehmung wird gröber. Denken reaktiver.


Ich konnte an mir selbst in den letzten Jahren beobachten, wie Sexualität ihren Entladungscharakter verlor. Nicht aus Moral. Nicht aus Disziplin. Sondern weil sie durchschaut war. Die Energie zog sich von selbst zurück. Was blieb: Klarheit. Präsenz. Ein feiner werdendes Nervensystem. Denn jedes lebendige System folgt einem einfachen Gesetz: Energie will organisiert werden.


Wird sie nicht nach außen entladen, beginnt sie sich nach innen zu verteilen – vom Körper ins Nervensystem, vom Nervensystem ins Denken, vom Denken ins Bewusstsein.

Darum wird der Geist klarer, wenn sexuelle Energie gehalten wird. Darum wird Sprache präziser. Darum beginnt das Ich, sich selbst zu spüren.


Das ist keine Askese.

Das ist biologische Intelligenz.

Sexualkraft – Sprache – Ich-Bin entstehen im selben inneren Raum.


Wird Sexualenergie zerstreut, verliert Sprache ihre Verkörperung. Gedanken werden mechanisch. Das Ich orientiert sich nach außen.

Wird Sexualenergie integriert, geschieht das Gegenteil: Sprache wird wahrhaftig. Denken wird kohärent. Das Ich findet seinen inneren Ort.


Sprache ist geronnene Lebensenergie. Und das Ich-Bin ist der Punkt, an dem diese Energie sich selbst erkennt.


Darum ist Sexualität kein isolierter Bereich. Sie entscheidet, ob der Mensch von innen spricht – oder nur wiederholt, was außen läuft. Die Qualität der Sexualenergie bestimmt die Qualität des Denkens. Die Qualität des Denkens bestimmt die Qualität der

Wirklichkeit.


Das ist die verborgene Achse.


Der Fall geschieht, wenn Sexualenergie zerstreut wird, Sprache ihre Verkörperung verliert und das Ich seine innere Referenz aufgibt. Der Aufstieg beginnt dort, wo diese drei wieder zusammenfinden.


Sexualkraft sammelt sich.

Sprache wird wahrhaftig.

Das Ich kehrt in den Körper zurück.

Das ist Erwachen.


Nicht als Idee.

Als Zustand des Nervensystems.

Der Mensch hört auf, sich zu verlieren. Er hört auf zu projizieren. Er hört auf, Erlösung zu erwarten.

Er beginnt, sich selbst zu tragen.



Das ist die Rückkehr der Schöpfungskraft.


Nicht in den Himmel.

In den Menschen.

Sexualität wird wieder das, was sie ursprünglich ist: ein bewusstes Tor der Schöpfung.


Rückbindung der Sexualkraft – Grundlage menschlicher Zukunft


Das ist keine philosophische Betrachtung. Es ist eine Zustandsbeschreibung.

Wir leben in einer Zeit, in der sich entscheidet, ob der Mensch lernt, seine

Lebensenergie wieder zu bewohnen – oder ob er sie weiter verliert.


Der Mensch hat den Kontakt zu seiner Mitte verloren.


Und der Wendepunkt liegt nicht im Weltgeschehen. Er liegt im Nervensystem jedes Einzelnen.

Hier entscheidet sich, ob Energie gehalten oder entladen wird.

Hier entscheidet sich, ob Sprache aus Erfahrung entsteht oder aus Reaktion.

Hier entscheidet sich, ob das Ich sich selbst trägt – oder im Außen Halt sucht.


Das ist biologische Realität.


Eine Zivilisation, die ihre Sexualkraft zerstreut, ihre Sprache entkörpert und ihr Ich im Außen verankert, verliert ihre innere Ordnung. Darum ist Rückbindung kein individuelles Entwicklungsprojekt. Sie ist eine Frage menschlicher Zukunft.

Nicht aus Technologien. Nicht aus Ideologien. Nicht aus neuen Erzählungen entsteht Zukunft. Sondern aus Menschen, die ihre Lebensenergie wieder bewohnen.

Die Sexualkraft als Bewusstsein erkennen. Die Sprache als Ausdruck innerer Wahrheit leben. Und das Ich-Bin nicht mehr suchen, sondern verkörpern.

Das ist die Mitte.


Und aus dieser Mitte wächst alles Weitere.



Schlussbemerkung


Diese Erkenntnis ist die Frucht meines ganzen Lebens. Desweitern ist sie die energetische Ansicht zu dem, was ich in meinem ersten Buch schildere. Es gehört zusammen. Ich habe diese darin nicht integriert, um die Lesenden nicht zu verwirren. Die Trennung schien mir logisch. Zu meinem Buch


An diesem Blogbeitrag habe ich nahezu zwanzig Stunden gearbeitet. Vom ersten Entwurf zur Ausarbeitung bis zur sprachlichen Feinarbeit. Ich stelle meine Texte kostenlos zur Verfügung. Energieausgleich ist aber willkommen: Spendebutton in der Fusszeile.



 
 
 

1 Kommentar


Rolf Forster
Rolf Forster
11. Feb.

Vielen Dank Branka, für Dein Sein


Dein Text, ich hätte dazu wirklich viel zu sagen, und schon das zeigt wie wundervoll er ist.

Branka du bist noch jung und vieles was du erkannt hast wird sich dir noch viel filigraner ziselierter erschliessen. Du bist eine echte Hoffnung für die Menschheit. Danke

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